1943 erschien mitten im Krieg Hermann Hesses letzter großer Roman ‚Das Glasperlenspiel’. In dieser Erzählung entwirft Hesse die Zukunftsvision einer Gesellschaft, in der geistige Fragen nur noch als Spiel betrieben werden: Die geistige Elite einerseits hat sich ganz in ihren Elfenbeinturm zurückgezogen, um fernab der Wirklichkeit ihre ‚Glasperlenspiele’ zu betreiben. Die Masse der Menschen wird indessen mit oberflächlicher, seichter Unterhaltung versorgt… Hesses Schilderung dieses ‚feuilletonistischen Zeitalters’ kann durchaus als prophetische Vorwegnahme dessen verstehen, was wir heute als ‚Infotainment’ und 'Spaßgesellschaft' bezeichnen.
Zeit: 15.3. 2011
Ort: Lesesaal im Schömberger Kurhaus
Zur Gesprächsreihe: ‚Seher-Dichter?!’ Prophetische Literatur in der Moderne:
„So spricht der Herr!“ Die Propheten des Alten Testaments haben sich als von Gott selbst autorisierte Überbringer von göttlichen Botschaften verstanden. In Gottes Namen und Auftrag haben sie die Zeichen ihrer Zeit gedeutet, die Gegenwart kritisiert und das Gottesgericht für die Zukunft angesagt. In der Moderne gibt es eine Prophetie, die sich auf Gott selbst beruft, nicht mehr. Ist damit aber das Prophetische überhaupt ausgestorben? Wohl kaum: Denn es gibt in der Moderne eine Fülle von Autoren, die in einer bestürzenden Hellsichtigkeit die Zeichen ihrer modernen Zeit gedeutet haben. Auch wenn sie sich nicht auf Gott berufen, ja sogar den Gottesglauben ablehnen, sind die visionären Texte dieser ‚Seher-Dichter’ bzw. ‚Seher-Philosophen’ zweifellos prophetisch durchsetzt.
Nach kurzer Einführung in Leben und Werk des jeweiligen Autors werden wir uns mit einem zentralen Text beschäftigen. Die Abende stehen zwar thematisch miteinander in Verbindung. Dennoch kann jeder Abend für sich besucht werden.
Hier finden Sie die weiteren Abende dieser Gesprächsreihe.