Thomas Stearns Eliot (1988-1965) gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der englischsprachigen Literatur. Berühmt wurde er mit dem 1922 erschienenen Langgedicht ‚The waste land’ (Das wüste Land). Sein späteres Werk zeigt sich immer stärker von einem christlichen Humanismus inspiriert. Für Eliot ist die moderne Welt eine Wüste, weil sie trotz allen Fortschrittglaubens vollkommen un-adventlich geworden ist: Sie erwartet nichts mehr, erst recht nichts aus göttlichen Welten Kommendes. Der geheime Wahlspruch der Moderne lautet: ‚Nichts Neues unter der Sonne’. Die Darstellung einer ganz und erwartungslos gewordenen Menschheit hat – vielleicht – prophetische Qualität!?  Wir werden an diesem Abend einige Texte Eliots auf diese Frage hin lesen und diskutieren.
 
Zur Gesprächsreihe: ‚Seher-Dichter?!’ Prophetische Literatur in der Moderne:
 
„So spricht der Herr!“ Die Propheten des Alten Testaments haben sich als von Gott selbst autorisierte Überbringer von göttlichen Botschaften verstanden. In Gottes Namen und Auftrag haben sie die Zeichen ihrer Zeit gedeutet, die Gegenwart kritisiert  und das Gottesgericht für die Zukunft angesagt. In der Moderne gibt es eine Prophetie, die sich auf Gott selbst beruft, nicht mehr. Ist damit aber das Prophetische überhaupt ausgestorben? Wohl kaum: Denn es gibt in der Moderne eine Fülle von Autoren, die in einer bestürzenden Hellsichtigkeit die Zeichen ihrer modernen Zeit gedeutet haben. Auch wenn sie sich nicht auf Gott berufen, ja sogar den Gottesglauben ablehnen, sind die visionären Texte dieser ‚Seher-Dichter’ bzw. ‚Seher-Philosophen’ zweifellos prophetisch durchsetzt.
Nach kurzer Einführung in Leben und Werk des jeweiligen Autors werden wir uns mit einem zentralen Text beschäftigen. Die Abende stehen zwar thematisch miteinander in Verbindung. Dennoch kann jeder Abend für sich besucht werden.
 
Hier finden Sie die weiteren Abende dieser Gesprächsreihe.