
Dienstag, 11. 11. 2008 um 19h
„In vino veritas?! Über Wein und andere Wahrheiten“
Im Gespräch mit einem Württemberger Weinbau-Pionier und Starwinzer
Mit Albrecht Schwegler (Waiblingen - Korb)
Ort: Hotel-Restaurant Mönch’s Lamm, Hugo-Römpler Str. 21, in Schömberg
Albrecht Schwegler, der noch dazu Inhaber einer Waiblinger Maschinenbaufirma ist, gehört inzwischen zu den großen Weinbaupionieren, die dafür gesorgt haben, dass der Württemberger Wein im weltweiten(!) Konzert der Spitzenweine mitvertreten ist und bleibt. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Albrecht Schwegler manche 'heilige Kuh' der Württemberger Weinbautradition geschlachtet und sich damit nicht nur heftiger Kritik ausgesetzt, sondern auch den Ruf eines Querkopfes eingehandelt.
Der Erfolg im Weinbau gibt ihm indessen recht. Weinkritiker haben Schweglers Weingut schon mal als 'Chateau Petrus' Württembergs beschrieben. (Was dieser Vergleich bedeutet, weiß jeder, der sich nur ein wenig in der Welt des Weins auskennt.)
Allerdings will Albrecht Schwegler nicht nur beim roten und weißen Traubensaft 'reinen Wein' ausschenken und ausgeschenkt bekommen: Auch als überzeugter Christ plädiert er für Wahrheiten - selbst wenn sie unbequem sind. Nicht von ungefähr hat Albrecht Schwegler - an dieser Stelle ebenso konsequent - von der Tradition der überkommenen kirchlichen Institutionswelt Abschied genommen...
Ein weiterer Grund, weshalb ich mich auf das Gespräch freue mit einem Winzer- und Glaubensquerdenker über 'Wein und andere Wahrheiten'!
Dass so ein Gespräch über Wein, Welt und Gott indessen keine trockene Angelegenheit bleiben kann, versteht sich von selbst: Albrecht Schwegler wird selbst dafür sorgen...
Homepage:http://www.albrecht-schwegler.de/
Hier noch weitere Einschätzungen der Schweglerischen'Weinkunst':
Zum Wein des Württemberger Weinbaupioneers schreibt z. B. der Gault Millau WineGuide Deutschland:
Das Weingut Schwegler ist so etwas wie die »Boutique Winery« Württembergs. Das heißt: winzige Produktion auf nur 1,2 Hektar, aber herausragende Qualität zu hohen Preisen. In der Regel konzentriert man sich auf die Erzeugung zweier Cuvées namens »Saphir« (aus Zweigelt und Lemberger) und (etwas leichtgewichtiger) »Beryll«. In besonders guten Jahren gibt es den äußerst raren Spitzenrotwein »Granat« (mit zusätzlich Merlot). Dieser kann wie kein anderer Rotwein der Region durch Lagerung erheblich gewinnen und sollte deshalb nicht zu früh geöffnet werden. Der Jahrgang 1997 zeigt jetzt Trinkreife und der 1993er ist immer noch in herausragendem Zustand. Der nun vorgestellte 2004er »Granat« übertraf sogar unsere hohen Erwartungen – eindeutig der beste Rotwein Württembergs und ein neuer Höhepunkt für Schwegler.
Der frühere Chef Sommelier im Restaurant Wielandshöhe in Stuttgart, Buchautor über Weine und jetzige Stuttgarter WeinhändlerBernd Kreis schreibt über Albrecht Schweglers Weinkunst:
"Albrecht Schwegler bringt Rotweine von höchstem Niveau auf die Flasche. Längst sind seine Rotweine bis weit über die Landesgrenzen bekannt und entsprechend stark nachgefragt. Alle Gewächse sind in Barriques ausgebaute Cuvées. Saphier und Granat setzen Maßstäbe für deutsche Rotweine und besitzen großes Entwicklungspotential."
Bernd Kreis müsste es übrigens wissen: Er war 1992 bester Sommelier Deutschlands (1. Platz Trophée Ruinart Deutschland), 1992 bester Sommelier Europas (1. Platz Trophée Ruinart Europe) und 1993 Sommelier des Jahres Gault Millau Deutschland.
Und der renommierte Weinkritiker Stuart Pigott hat in seinem voluminösen Weinführer 'Wein spricht deutsch' (erschienen 2007 im Scherzverlag und für 78€ erhältlich) ebenfalls Albrecht Schwegler ein eigenes Kapitel gewidmet:
"Seit 1990 verändern die sensationellen Rotweine des Mikro-Weinguts Albrecht Schwegler in Korb die Rotwein-Landschaft von Württemberg.
Albrecht Schwegler ist seit 1990 Mitarbeiter der Lineartechnik Korb GmbH, seit 1993 geschäftsführender Gesellschafter. Das mag wenig spannend klingen, doch seit 1990 führt er zusammen mit seiner Frau Andrea daneben den nach ihm benannten Mini-Weinbaubetrieb: das WEINGUT ALBRECHT SCHWEGLER. Das ist inzwischen von einer Jahresproduktion von circa 4000 Flaschen aus 0,65 Hrktar auf um die 7000 Flaschen aus 1,5 Hektar gewachsen. Das ist in Augen vieler Winzer im Betrieb noch immer eine Lachnummer, aber das lebenslustige und waghalsige Paar erzeugt seit Anbeginn eine der besten Rotwein-Cuvées des gesamten deutschsprachigen Raums namens Granat.
Korb ist die erste Weinbaugemeinde auf der Nordseite desRemstals. Das wichtigste Weintal Südwürttembergs hat einetrichterartige Form und öffnet sich nach Westen zum Stuttgarter Kessel- Hinter dem Ort, wo ein buntes Durcheinander von modernen Flachdachbauten undhistorischen Häusern herrscht, erhebt sich der 465 Meter hohe Korber Kopf, dessen Südseite fast bis zur Spitze mit Reben bedecktist. Es ist der erste einer Reihe mehr oder weniger steiler Hängeauf der Nordseite des Remstals mit idealer Ausrichtung für den Weinbau. Jahrelang haben sich auswärtige Fachleuchte bei diesem Anblick gefragt, warum hier keine grandiosen Rotweine wachsen. Nach seinen Erfahrungen als Kellermeister der Remstal-Genossenschaft mit Sitz in Beutelsbach und ganz anderen Erfahrungen in Neuseeland festigte sich gegen Ende der 1980er Jahre bei Schwegler die Überzeugung, dass dafür nur die Konsequenz in Weinberg und Keller fehlte. Seine zweigleisige Karriere schützte ihn vor starkem wirtschaftlichen Druck und erlaubte ihm, nur die Menge Wein an- und auszubauen, die mit solch äußerster Konsequenz kompatibel war. Aus diesen Überlegungen heraus ist er Garagenwinzer geworden, lange bevor die >Garagistes<- Winzer in Bordeaux begannen, für Aufmerksamkeit zu sorgen.
In der Steinstraße 35, einem großen Bauernhaus, das 1948 errichtet und 1997 umgebaut wurde - damals kam ein Spitztürmchen dazu -, dient ein großer, garagenähnlicher Raum, der früher aber der Schweinestall war, als Gärkeller. Einige Stufen tiefer liegt der Barrique-Keller, in dem die drei Hauptweine des Guts reifen: die Rotwein-Cuvées Beryll, Saphir und Granat. Letzterer stellt die Spitze dar, und der zuletzt abgefüllte Jahrgang 2003 ist eine Cuvée aus Zweigelt, Merlot und Syrah (der neu dazugekommen ist). Ähnliche Kompositionen gibt es im Burgenland, doch schmeckt der Granat nicht im geringsten wie ein burgenländischer Wein. Eher hat eine bunte Mischung französischer, italienischer und Übersee-Weine als Vorbilder gedient. Trotz der enormen Reife und Dichte wirkt er nicht ausladend oder vordergründig süß. Auch haben ihn die sehr kräftigen Gerbstoffe nicht zu minolithischer Wucht gedrängt. Der Granat ist ein märchenhaft raffinierter Riese, der in sich eine enorme Spannung birgt; wie eine gute Fee stiftet sie ihm eine in Jahrzehnten zu messende Lebenserwartung. Basierend auf der Erfahrung der bisherigen Jahrgänge, setzt die volle Trinkreife erst mit etwa 7 Jahren ein, wenn viele andere 'bedeutende' und teuere Rotweine aus dem Gebiet beginnen, Anzeichen von Müdigkeit zu zeigen.
Der Spahit besteht weitgehend aus Zweigelt und Lemberger und stellt ebenfalls ein starkes Stück Rotwein in Granat-Manier dar, mit zarten Rauch- und Schokoladenoten, wobei der Lemberger einen frischen Touch im Finale beiträgt. Seine volle Trinkreife ist schneller erreicht, mit vier oder fünf Jahren. Die Zusammenstellung der Cuvée für den Beryll variiert stärker von Jahrgang zu Jahrgang, er zeigt grundsätzlich mehr vordergründig beerige Frucht und wirkt schwungvoller, doch auch hier ist ordentlich Substanz und eine sehr stimmige Harmonie von Fülle und Gerbstoff, Frucht- und Eichen-Aromen. Er wird wie die anderen Juwelen des Hauses volle zwei Jahre in der Barrique ausgebaut.
Der 2003er Beryll enthält auch einen guten Schuss Regent, eine Rotweinsorte, die pilzresistent ist.
'Weg von dieser chemischen Fäulnisbekämpfung!, sagt Albrecht Schwegler und plädiert für die Zulassung weiterer pilzresistenter Rebsorten, was aber aus weinbaupolitischen Gründen eher schleppend vorankommt.
Noch begeisterter als vom Regent sind die Schweglers jedoch von einer anderen pilzresistenten Sorte, dem Cabertin, einer Züchtung von Silvia und Valentin Blattner im französischen Jura, den sie für deutlich feiner im Duft halten. 2007 wird der Schweglersche Cabertin-Weinberg erstmals Trauben hervorbringen.
Trotz ihres großen Ehrgeizes und der Überzeugung, dass ihr Gebiet weg von 'alkoholhaltigen wässerigen Lösungen' zu ausdrucksstarken Weinen finden muss, erzeugen die Schweglers einen außergewöhnlichen Alltagswein in der Literflasche: Dr Oifache besteht überwiegend aus Trollinger mit kleinen Mengen diverser anderer Rebsorten. Sie verleihen dem gerbstoffarmen Trollinger mehr Substanz, Würze und ein herbes Rückgrat, so kann Trollinger wieder konkurrenzfähig gemacht werden! Vollkommen konkurrenzlos ist der 1999 ertmals erzeugte Solitär, ein großes Schwegler-Wagnis. Massiv und erstaunlich jugendlich nach sechs Jshren in der Barrique zeigt er eine vielschichtuge, balsamische Tiefe. Ein einmaliger Wein? Nein, mit dem 2003er kommt voraussichtlich im Herbst 2009 der zweite Jahrgang in den Verkauf."