
'Krise in Deutschland - oben angerichtet, unten bezahlt!?'
im Gespräch mit Klaus Zwickel, ehemaliger Vorsitzender IG Metall
Als im Jahr 2008 die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers Konkurs anmeldete, war das der Beginn eines Flächenbrandes: Die Bankenkrise entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur Weltwirtschaftskrise und für Europa sogar zur Währungskrise. Die Politik sah sich zu immer neuen Rettungsprogrammen gezwungen. Mit der Folge, dass sich für Deutschland ein gewaltiger Schuldenberg aufgehäuft hat: Der Bund der Steuerzahler errechnete alleine wegen des Konjunkturpakets II Zinszahlungen von rund sechs Millionen Euro pro Tag. Also muss gespart werden: Mehr als 80 Milliarden Euro bis zum Jahr 2014. Gerade der Sozialhaushalt ist massiv von den Sparplänen betroffen. Dagegen noch immer ungeklärt ist die Frage einer angemessenen finanziellen Beteiligung der Banken an den Folgen der Krise. Ebenso ist eine Regulierung der Finanzmärkte noch nicht einmal ansatzweise in Sicht.
Wird jetzt einfach unten bezahlt, was oben angerichtet wurde? Und gefährdet die Krise nicht damit den sozialen Frieden in Deutschland? Was müsste getan werden, um - national und international - die Folgen der Krise solidarisch zu bewältigen?
Zum Gesprächspartner: Klaus Zwickel kennt sich bestens in der Wirtschaftswelt aus. Er war von 1993 bis 2003 Vorsitzender der IG Metall und Präsident des Internationalen Metallgewerkschaftsbunds. Neben seiner Gewerkschaftsarbeit und der 1991 einsetzenden Aufsichtsratstätigkeit für Mannesmann war Zwickel außerdem von 1987 bis 1994 im Aufsichtsrat der BMW AG vertreten. 1993 trat er demselben Gremium bei VW bei. Über viele Jahre stand er für eine Politik des Ausgleichs und Dialogs zwischen der Politik und den Sozialpartnern.
Zeit: Mittwoch, 13. Oktober 2010 um 19h
Ort: Landgasthof Ochsen, Schömberg-Oberlegenhardt, Burgweg 3